LinkedIn für Unternehmen: Warum die Unternehmensseite allein nicht reicht
- 18. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
LinkedIn ist keine Plattform, auf der Logos miteinander kommunizieren. Es ist eine Plattform, auf der Menschen anderen Menschen folgen.
Trotzdem konzentrieren sich viele Unternehmen zuerst auf ihre Unternehmensseite. Das ist verständlich. Sie gehört heute zu einem professionellen Außenauftritt und ist oft der erste Berührungspunkt mit einem Unternehmen.
Das Missverständnis beginnt dort, wo viele erwarten, dass die Unternehmensseite allein für Sichtbarkeit sorgt.
Das tut sie nicht.
Lohnt sich LinkedIn für Unternehmen überhaupt?
Für viele Unternehmen lautet die Antwort: Ja.
Entscheidend ist allerdings, wen ihr erreichen möchtet. Wenn eure Kunden, Bewerber oder Geschäftspartner auf LinkedIn unterwegs sind, solltet ihr dort ebenfalls sichtbar sein. Im B2B ist das heute fast selbstverständlich. Geschäftsführer, Einkäufer, Ingenieure, Personalverantwortliche oder Berater informieren sich häufig online, bevor sie zum Telefon greifen oder eine Anfrage schicken.
LinkedIn ist für viele Unternehmen längst Teil der Unternehmenskommunikation. Es geht dabei nicht nur darum, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen. Es geht darum, sichtbar zu werden und Vertrauen aufzubauen.
Die Unternehmensseite reicht dafür allein nicht aus.
Die Unternehmensseite ist wichtig, aber sie ist nicht der wichtigste Kanal
Ich vergleiche die LinkedIn-Unternehmensseite gerne mit einem Firmengebäude. Sie sollte gepflegt sein, zeigen, wer ihr seid, und einen guten ersten Eindruck hinterlassen.
Aber niemand fährt an einem Firmengebäude vorbei und erzählt anschließend begeistert seinen Freunden davon.
Auf LinkedIn ist das nicht anders.
Die Unternehmensseite ist eure offizielle Visitenkarte. Dort finden Interessierte Informationen über euer Unternehmen, offene Stellen, Ansprechpartner oder aktuelle Neuigkeiten. Sie schafft Glaubwürdigkeit.
Für organische Reichweite reicht sie allein aber selten aus.
Viele Unternehmen investieren viel Zeit in ihre Unternehmensseite. Es wird über Bannerbilder, Slogans oder die perfekte Beschreibung diskutiert. Gleichzeitig ist auf den Profilen der Geschäftsführung oder wichtiger Mitarbeitender seit Monaten nichts passiert.
Das liegt selten daran, dass niemand etwas zu erzählen hätte. Meistens fehlt im Alltag einfach die Zeit, daraus regelmäßig Inhalte zu machen.
Persönliche Beiträge werden auf LinkedIn häufig stärker wahrgenommen als Beiträge von Unternehmensseiten. Deshalb empfiehlt auch LinkedIn, Mitarbeitende in die Kommunikation einzubeziehen und Inhalte nicht ausschließlich über die Unternehmensseite zu veröffentlichen.
Warum Mitarbeitende den Unterschied machen
Menschen bauen Beziehungen zu Menschen auf, nicht zu Unternehmenslogos.
Deshalb erzielen Beiträge von Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern, Mitarbeitenden oder Fachexperten häufig mehr Aufmerksamkeit als identische Inhalte auf einer Unternehmensseite.
Dabei geht es nicht darum, ständig Unternehmensnachrichten zu teilen. Viel interessanter sind persönliche Einblicke: ein abgeschlossenes Projekt, ein Blick hinter die Kulissen einer Messe, Gedanken zu einer Entwicklung in der Branche, eine neue Kollegin oder ein neuer Kollege im Team oder ein ehrlicher Einblick in den Arbeitsalltag.
Solche Beiträge wirken glaubwürdiger, weil sie von Menschen kommen und nicht von einem Unternehmensprofil.
Muss jetzt jeder Corporate Influencer werden?
Nein.
Der Begriff Corporate Influencer klingt oft größer, als er im Alltag tatsächlich ist. Es geht nicht darum, Influencer zu werden. Es geht darum, sichtbar zu sein.
Mitarbeitende zum Posten zu verpflichten, halte ich für keine gute Idee. Wer keine Lust auf LinkedIn hat, wird auch mit dem besten Redaktionsplan keine überzeugenden Beiträge schreiben.
Sinnvoller ist es, mit den Menschen zu beginnen, die ohnehin Freude daran haben, sich auszutauschen. Das kann die Geschäftsführung sein, eine Projektleiterin, ein Vertriebsmitarbeiter oder auch ein Azubi, der seinen Arbeitsalltag zeigt.
Wenige engagierte Personen sind oft wirkungsvoller als viele halbherzige.
Die meisten Unternehmen haben längst genug Themen
Wenn es um LinkedIn geht, höre ich oft denselben Einwand: „Uns fehlen einfach die Themen.“
Meine Erfahrung ist eine andere.
In den Unternehmen, die ich begleite, entstehen jede Woche spannende Geschichten: neue Projekte, Veranstaltungen, Weiterbildungen, Jubiläen oder kleine Einblicke in den Arbeitsalltag.
Trotzdem landet vieles nie auf LinkedIn. Nicht, weil die Themen fehlen, sondern weil im Alltag niemand Zeit hat, sie festzuhalten, Fotos zu machen oder einen Beitrag daraus zu machen.
Manchmal läuft die Kommunikation eine Zeit lang gut. Dann wird wieder wochenlang nichts veröffentlicht. Oder es muss schnell gehen. Ein Text wird mit KI erstellt und nahezu unverändert veröffentlicht. Das spart Zeit. Oft klingt der Beitrag danach aber genauso wie viele andere auch.
KI ist ein Werkzeug. Sie kann Ideen liefern und beim Schreiben unterstützen. Was sie nicht ersetzen kann, ist die Haltung eines Unternehmens. Genau die macht Kommunikation am Ende unverwechselbar.
Das eigentliche Problem ist deshalb selten der Ideenmangel. Es fehlt Zeit, ein klarer Prozess oder jemand, der das Thema kontinuierlich begleitet.
Deshalb funktionieren auf LinkedIn vor allem Inhalte, die ohnehin im Unternehmen entstehen.
Zum Beispiel:
Einblicke in Projekte oder den Arbeitsalltag
Erfahrungen von Veranstaltungen oder Messen
Neue Mitarbeitende oder Jubiläen
Kundenprojekte und gelöste Herausforderungen
Gedanken zu Entwicklungen in der Branche
Persönliche Einschätzungen der Geschäftsführung oder von Fachexperten
Es müssen keine spektakulären Geschichten sein.
Oft sind es gerade die kleinen Einblicke, die zeigen, wie ein Unternehmen arbeitet und wer dahintersteht.
Wie oft sollte ein Unternehmen auf LinkedIn posten?
Auch diese Frage höre ich oft.
Viele Unternehmen starten mit viel Motivation. Es wird ein Redaktionsplan erstellt, die ersten Beiträge gehen online und alle sind begeistert. Ein paar Wochen später übernimmt das Tagesgeschäft wieder.
Genau deshalb empfehle ich lieber einen Beitrag pro Woche, der dauerhaft realistisch ist, als einen ambitionierten Plan, der nach einem Monat wieder in der Schublade verschwindet.
Kontinuität schlägt Perfektion.
Die häufigsten Fehler
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder dieselben Stolpersteine:
Die gesamte Kommunikation läuft ausschließlich über die Unternehmensseite.
Es werden fast nur Stellenanzeigen oder Eigenwerbung veröffentlicht.
Niemand aus der Geschäftsführung oder dem Team ist persönlich auf LinkedIn sichtbar.
Es wird ausschließlich über das Unternehmen gesprochen, nie über die Menschen dahinter.
Kommunikation passiert nur dann, wenn gerade Zeit ist.
Nach wenigen Wochen wird LinkedIn wieder aufgegeben, weil die erhoffte Reichweite ausbleibt.
Das eigentliche Problem liegt selten bei LinkedIn
Nach meiner Erfahrung scheitert LinkedIn in den wenigsten Unternehmen an der Plattform selbst.
Es fehlen selten Themen. Es fehlt selten Fachwissen.
Kommunikation ist häufig einfach niemandes eigentliche Aufgabe. Sie passiert dann, wenn gerade Zeit ist. Und genau deshalb bleibt sie oft liegen.
Das erklärt auch, warum viele Unternehmensseiten nach einem guten Start wieder monatelang still werden. Nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil das Tagesgeschäft Vorrang hat.
Wer das ändern möchte, braucht keinen perfekten Redaktionsplan. Viel wichtiger ist, Kommunikation als festen Bestandteil des Unternehmensalltags zu verstehen.
Fazit
Viele Unternehmen suchen nach neuen Ideen für LinkedIn.
Dabei liegen die besten Themen oft längst auf dem eigenen Schreibtisch.
Sie müssen nur erzählt werden.
Häufige Fragen zu LinkedIn für Unternehmen
Braucht jedes Unternehmen eine LinkedIn-Unternehmensseite?
Nicht jedes Unternehmen ist auf LinkedIn gleich aktiv. Wer im B2B tätig ist, Fachkräfte gewinnen möchte oder seine Sichtbarkeit erhöhen will, sollte eine gepflegte Unternehmensseite haben.
Sollten Mitarbeitende auf LinkedIn aktiv sein?
Nicht alle. Diejenigen, die Freude daran haben und ihr Fachwissen oder ihren Arbeitsalltag teilen möchten, können einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit des Unternehmens leisten.
Brauchen Unternehmen Corporate Influencer?
Nicht zwingend. Oft reicht es schon, wenn einige Mitarbeitende oder die Geschäftsführung regelmäßig Einblicke in ihre Arbeit geben. Entscheidend ist, dass die Beiträge freiwillig entstehen und zur jeweiligen Person passen.
Wie oft sollte ein Unternehmen auf LinkedIn posten?
Es gibt keine feste Regel. Ein realistischer Rhythmus, der dauerhaft eingehalten werden kann, ist meist wirkungsvoller als viele Beiträge in kurzer Zeit und anschließende Funkstille.


